Der Formel 1 Zirkus startet heuer ausgerechnet im Autoland Österreich in die Saison. Die ebenso denkwürdige wie erfolgreiche Vermarktung des Automobils haben wir alle teuer zu bezahlen, egal ob wir selbst ein Kraftfahrzeug besitzen oder nicht.

Grund genug, ernsthaft darüber zu reflektieren, welche gravierenden Schäden mit dem motorisierten Individualverkehr einhergehen.

Welche mutigen politischen Entscheidungen sind notwendig, um abseits des Spielbergs in unserem schönen Land doch noch rechtzeitig Auswege aus der automobilen Selbstzerstümmelung unserer Natur- und Lebensräume zu finden?

Jede weitere Forcierung des motorisierten Individualverkehrs ist untrennbar mit der weiterführenden Zerstörung unserer Lebensgrundlagen verbunden. Es ist somit höchste Zeit, das Automobil als Kern des Problems, und nicht als Teil der Lösung zu thematisieren.

Wrong – Der Verkehrswende-Film von Greenpower (eingebetteter Inhalt von Youtube)

Wenn wir uns auf einen Weg begeben, würden wir nicht im Traum daran denken, unser ganzes Wohnzimmer mitzunehmen. Genau das tun wir aber, wenn wir mit dem Auto mobil sind. Wir und tagtäglich mehrere Millionen anderer Menschen in ganz Österreich – mit verheerenden Folgen für uns selbst, für unsere Umwelt und fürs Klima.

Autoland Österreich: Wo die Automibilindustrie erfolgreich ist, sind Mensch und Natur auf der Verliererstraße.
Lt. Statistik Austria wurden per 31.3.2002 kumulierte Fehler bereinigt, effektiv gab es seit 1948 einen durchgehenden Anstieg zugelassener Pkws.

Im Jahr 2019, also längst mitten in der Klimakrise angekommen, waren in Österreich erstmals über 5 Millionen Kraftfahrzeuge zum Verkehr zugelassen. In durchschnittlich anderthalb Tonnen schweren Blechkisten fahren statistisch gesehen etwa 1,3 Personen durchs Land.

Autos mit Benzinmotor benötigen entlang derselben Strecke im Schnitt zwanzig mal so viel Energie wie ein Mensch am Fahrrad. Selbst ein schwimmender Mensch verbraucht über die gleiche Distanz weniger Energie als ein moderner Elektro-Kompaktwagen. Elektroautos hinterlassen zudem über die ersten 100.000km gerechnet einen ökologischen Fußabdruck, der sogar schlechter ist, als ein entsprechendes Kraftfahrzeug mit herkömmlichem Verbrennungsmotor.

Vorwiegend aufgrund von Reifenabrieb ist der Straßenverkehr für mehr als 50% des Mikroplastiks in der Umwelt verantwortlich. Die giftige Mischung aus Weichmachern und unzähligen anderen teils krebserregenden Verbindungen schädigt nicht nur unsere Umwelt. Sie gelangt über Luft, Böden und Grundwasser auch in den menschlichen Körper – mit negativen Auswirkungen und bisher kaum erforschten langfristigen Gefahren für unsere Gesundheit.

Mit Scheinlösungen wie dekarbonisiertem Individualverkehr und autonomen Fahrzeugen setzt die Automobilindustrie weiterhin alles daran, das bisherige Wachstum zu prolongieren – ohne Rücksicht auf die verheerenden Auswirkungen auf Mensch und Natur.

Wie will der Autolobby das Kunststück gelingen, in Österreich zukünftig sogar mehr Autos herumfahren zu lassen, als es FührerscheinbesitzerInnen gibt?

Wenn wir den Meinungsmachern der einflussreichen Automobil- und Betonlobby abermals auf den Leim gehen, dann sollen künftig smarte Roboterautos statt 1,2 Personen bald schon nurmehr 0,7 Menschen auf noch mehr zubetonierter Fläche durch die Gegend kutschieren. Der Bau neuer Straßen kurbelt für kurze Zeit die Wirtschaft an, verbraucht aber dauerhaft Platz für noch mehr Autos. Neue Straßen zerschneiden das Land, zerstören unsere Lebensgrundlagen und verstellen uns den Platz zur rechtzeitigen Umkehr in der Verkehrspolitik.

Unzählige leidgeprüfte Menschen aus ganz Österreich haben sich anlässlich des 1. Österreichischen Verkehrswende-Aktionstages zusammengetan, um aus einem unerwarteten Stillstand heraus einer echten Verkehrswende den Weg zu ebnen.

Wir brauchen …

  • ein barriere- und diskriminierungsfreies Mobilitätsangebot für möglichst alle Menschen.
  • ein unverzügliches Moratorium im Bau neuer Schnellstraßen und Autobahnen.
  • Städte und Siedlungen, die Platz für Menschen bieten und nicht für Autos.
  • attraktive und sichere Wege für Menschen, die sich wieder auf die eigenen Beine stellen möchten.
  • eine mutige Politik, die das Automobil an sich als Teil des Problems und jedenfalls nicht als mögliche Lösung benennt.
  • eine Verkehrswende – und wir brauchen möglichst viele Menschen, die mit ihrem persönlichen Mobilitätsverhalten eine solche Verkehrswende auch tatsächlich mitmachen.

DS, 200619

Links:

Autoland Österreich: Arbeitskreis der Automobilimporteure
Youtube: Hermann Knoflacher: »Menschen lieben ihre Autos mehr als ihre Kinder«
Youtube: Weltmeisterliche Mikroplastikproduktion
Trend: Mobilitätswende in weiter Ferne