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Angesichts Treibhausgasproblematik, Ressourcenverschwendung und sozialer Diskriminierung kann eine Aufwertung der Lebensqualität in St. Pölten nur durch Deinvestitionen in der Kfz-Infrastruktur und gezielte Förderung von öffentlichem Verkehr und aktiver Mobilität – Radfahren und zu Fuß gehen – gelingen.

Auch St. Pölten ist im 21. Jahrhundert angekommen. Es is höchste Zeit, sich im Zentralraum Niederösterreichs zu einer menschen- umwelt und klimafreundlichen Mobilitätspolitik zu bekennen.

Stopp S 34 Initiativennetzwerk wirbt an der Autotankstelle vorm Rathaus für eine zukunftsgewandte Verkehrspolitik in St. Pölten.
vlnr: Dieter Schmidradler (Metamorphosis 2050), Walter Heimerl-Lesnik (S 34 sinnlos), Bernhard Higer (Lebenswertes Traisental), Stefan Kuback (Exit Green), Gottfried Kern (Zukunft Umwelt Traisental), Markus Braun (Lanius), Georg Mitterlehner (Radlobby St. Pölten). Fotocredit: Martin Schimunek

Weitere Verkehrszunahme durch S34

Die Anschlussstelle S34/A1 verbraucht die Fläche der gesamten St.Pöltner Innenstadt. Bild: Klimahauptstadt 2024

Seit mittlerweile 15 Jahren haben die Stadt St. Pölten und ihre Bewohner die Hoffnung, der Bau einer Schnellstraße S 34 würde für Entlastung und weniger Autos in der Stadt sorgen. Das geplante Projekt soll westlich von St. Pölten an der B1 (Gemeindegebiet Hafing) starten, mit einer Anschlussstelle gewaltigen Ausmaßes die Westautobahn A1 in alle Richtungen verbinden, vierspurig zur B39 (Pielachtal) bei Völtendorf laufen. Der Sportflugplatz wird untertunnelt, eine Anschlussstelle St .Georgen wird es geben und schließlich mündet die S34 in die B20 kurz vor Wilhelmsburg.

Eines der vorrangigen Ziele der ASFINAG ist es, die “Erreichbarkeit von St. Pölten” mit dem Auto zu verbessern. Die Auswirkungen davon kann man sich ausrechnen: Es soll leichter und einfacher werden, mit dem Auto in die Stadt zu kommen. Im Rahmen der UVP wurden auch Verkehrsuntersuchungen gemacht, man kann in einem Verkehrsmodell die Auswirkungen einer neuen Schnellstraße gut vorausberechnen: Der Verkehr wird durch den Bau der S34 in der Stadt zunehmen. Eine starke Zunahme (man nennt das induzierten Verkehr) ist besonders an den Einfahrten der B1 im Westen und Osten zu erwarten:

  • B1 westlich Europaplatz: +28%
  • Witzendorfer Ortsstraße: +44%

Weiters ist ja im Generalverkehrsplan von St.Pölten vorgesehen, die S34 nach Norden zu verlängern. Damit bringt man noch mehr Verkehr auch in die nördlichen Stadtteile. In den UVP Unterlagen ist auch das schon ersichtlich.

Ein weiteres Ziel des Baus der S34 ist die Entlastung der Anrainer an der B20 in St. Georgen durch Verlagerung des Verkehrs. Dieses Ziel wird wohl vorübergehend erreicht werden, allerdings werden damit Anrainer anderenorts mehr belastet, weil etwa am Eisberg, in Wagram oder Spratzern der Verkehr deutlich steigt.

Wir sehen eine zweite Entwicklung, die für mehr Autoverkehr in St. Pölten sorgt: Die öffentlichen Verkehrssysteme innerhalb der Stadt (LUP) werden gefeiert, die Anbindung ans Umland wird aber völlig vernachlässigt. Die Nebenbahnen in NÖ fristen ein kümmerliches Dasein, Haltestellen werden geschlossen, Bahnhöfe abgerissen und Strecken abgebaut.

Durch diese Entwicklungen steigt der Autoverkehr in St. Pölten. Durch eine verfehlte Verkehrspolitik durch die Stadt selbst (z.B. gratis Parkhäuser in der Stadt, E-Tankstelle direkt am Rathausplatz) wird der Verkehr noch in das Zentrum gezogen.

Das Push&Pull – Prinzip für die Verlagerung des Verkehrs wird deutlich – in einer leider völlig unzeitgemäßen Strategie zugunsten des motorisierten Indiviualverkehrs.

Mehr Autoverkehr = weniger Lebensqualität, auch in der Stadt

Die S34 stellt ein Angebot an die Menschen dar, weiterhin mit dem Auto nach St. Pölten zu kommen, dieses wird auch angenommen werden. Mit denkbar negativen Auswirkungen:

  • Verkehr in St. Pölten steigt DURCH den Bau der S34 an
  • Steuergelder fehlen für den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel
  • künstliche Grundwasserabsenkung im Bereich Völtendorf
  • Vorlapenkreuz vor der Haustür der Landeshauptstadt
  • vierspurige Autobahn durch das zukünftige “Naherholungsgebiet” TüPl
  • Vorbereitung zum Ring-um-St. Pölten
  • Steigerung von klimaschädlichen Treibhausgasen durch die S34

Unterirdische Autostadt am Dom

Illustration von Greenpower

Eine geplante Garage im Herzen der Stadt St. Pölten ist nicht nur ein neuerliches völlig falsches Signal – kommt mit dem Auto, wir haben Platz dafür gemacht – sondern bindet auch Finanzmittel, die dringend für eine zukunftsfähige Verkehrsinfrastruktur notwendig sind.

Zeit zur Verkehrswende

Eine zukunftsgewandte Landeshauptstadt St. Pölten ist im Hier und Jetzt gefordert, einer nicht mehr zeitgemäßen Verkehrspolitik nun endgültig den Rücken zuzukehren.

Mit den gebotenen finanziellen Mitteln ist stattdessen in enger Abstimmung mit Land, Bund und EU ein öffentliches Mobilitätsangebot zu schaffen, das den heutigen Qualitätsanforderungen hinsichtlich Geschwindigkeit, Taktangebot und Komfort endlich gerecht wird.

Weniger Autoverkehr, attraktive öffentliche Verkehrslebensadern in und für die umliegenden Regionen, sowie eine bestmögliche Infrastruktur fürs Gehen und Radeln schaffen lebenswerten urbanen Raum mit exzellenter regionaler Wertschöpfung. Städte, die dies erkennen und eine Verkehrswende erfolgreich umsetzen, sind Kulturräume mit einer vielversprechenden Zukunft. Autostädte sind das nicht.

BH, 200112

Weiterführende Infos

Ökonews 11.12.2018: St. Pöltens Beitrag zur Klimakrise
Stellungnahme des Initiativennetzwerks Stopp S 34 vom 1.2.2019
NÖN 11.11.2019
NÖN 13.11.2019
P3tv 22.11.2019
NÖN 10.01.2020